»CANTICUM« – Musik aus alten Hansestädten

Fr. 07.06.2026 um 17:00 Uhr

Manfred Cordes | Leitung

In Kooperation mit

Bild: Daria Vinogradova

Wer kennt sie nicht, die Liebestexte aus dem Hohelied Salomonis? Vom Klerus verschmäht, von den Komponisten ob ihrer bildhaften Sprache Texte geliebt, wurden diese Passagen der Bibel häufig als Textgrundlage für Hochzeitskompositionen genutzt. Diese waren in den reichen Handelsstädten an der Ostsee um 1600 besonders beliebt und verschafften den dort ansässigen Komponisten einen willkommenen Nebenverdienst. Mit Gesangssolist:innen und historischen Instrumenten präsentiert das Europäische Hanse-Ensemble Werke aus Rostock, Stralsund, Stettin, Danzig und Königsberg.

Der Leiter und renommierte Alte-Musik-Spezialist Manfred Cordes hat dafür Werke, die in Hansestädten wie Hamburg, Danzig und Breslau entstanden sind, aus den Archiven geholt und zusammengestellt. Bei den meisten Kompositionen kann davon ausgegangen werden, dass sie seit vielen hundert Jahren, wenn nicht sogar seit der ersten Aufführung, das erste Mal wieder erklingen. Die musikalischen Schätze vergangener Epochen, Teil des kulturellen Erbes Nordeuropas, zeigen die hohe Qualität der damaligen Kompositionstechnik und umfassen Werke bekannter, heute aber oft vergessener Größen der Hansezeit wie Thomas Selle oder Hieronymus Praetorius.

Das Europäische Hanse-Ensemble ist mit jährlich 10 – 15 Konzerten im Norden Europas präsent. Es konzertiert in den Niederlanden, Schweden und Polen, und immer wieder in den (nord-)deutschen Hansestädten. Mit Gesang und Instrumenten wie Zink, Gambe, Violinen und Posaunen in historischer Mensur oder der Laute sind 16 junge Musiker:innen aus 11 Nationen an den Konzerten der »Trinity«-Tournee beteiligt.

Rechtzeitig zu den Konzerten des Jahres 2026 erscheint die 3. CD der Reihe »Musik aus alten Hansestädten«, die – nach Stralsund und Danzig – nun Kompositionen aus dem alten Magdeburg enthält. Die CD-Reihe entsteht in Kooperation mit Deutschlandfunk Kultur und dem Label Classic Production Osnabrück (cpo); sie wird jährlich fortgesetzt.

Ein vereintes Europa, das sich seiner gemeinsamen kulturellen Wurzeln und Werte bewusst ist: Ein Traum, der aktuell in immer weitere Ferne zu rücken scheint. Die einende Kraft der Musik kann helfen Grenzen zu überwinden und genau das hat sich das EUROPÄISCHE HANSE-ENSEMBLE zum Ziel gesetzt. Im 16. und 17. Jahrhundert existierte in Europa eine allgemeine musikalische Sprache, wohl angereichert mit lokalen Vorlieben und Besonderheiten, doch ohne nationale Abgrenzungen. Dieses wurde durch die existierenden Handelswege zu Wasser und zu Lande gefördert, wie sie im Norden insbesondere von den Kaufleuten der Hanse genutzt wurden.

Das Projekt Europäisches Hanse-Ensemble, 2019 ins Leben gerufen, möchte diese gemeinsame Vergangenheit wieder stärker ins Bewusstsein rücken, das musikalische Repertoire der Hansestädte erschließen und es für die Menschen unserer Zeit erlebbar machen. Das Ensemble setzt sich jährlich neu zusammen und besteht aus talentierten internationalen Nachwuchsmusiker:innen.

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