LUCI SERENE E CHIARE – 100 Jahre Madrigale

Licht, Liebe, Leidenschaft – Eine Reise durch das italienische Madrigal
Luci serene e chiare eröffnet mit dem stillen Leuchten von Petrarcas „O passi sparsi“, vertont von Sebastiano Festa, einem der frühesten Baumeister des italienischen Madrigals. Seine vierstimmige Setzung, noch nahe an der Welt der Frottola, lässt bereits jene neue Empfindsamkeit aufscheinen, die das Madrigal bald prägen sollte: eine zarte Sphäre, in der sich Dichtung und musikalische Geste zum ersten Mal eng verbinden.
Aus dieser frühen Klarheit heraus führt das Programm zu den eindringlich intimen Madrigalen von Philippe Verdelot und Jacques Arcadelt – Musik, die mit Zartheit, Transparenz und feiner Ausdruckskraft atmet. Ihre Werke zeigen, wie das Madrigal immer stärker zum Gefäß persönlicher, beinahe privater Emotion wird, und wie Schönheit in Einfachheit und Nuance entstehen kann.
Bei Maddalena Casulana und Giovanni Pierluigi da Palestrina öffnet sich der Madrigalstil weiter. Beide besitzen eine unverwechselbare Klangsprache und führen das fünfstimmige Madrigal zu neuer rhetorischer Gestalt, kontrapunktischem Reichtum und emotionaler Tiefe. Casulana wirkt dabei besonders leuchtend: als erste Frau, die ein ganzes Musikbuch unter ihrem eigenen Namen veröffentlichte, und als Komponistin von bemerkenswerter Klarheit, Spannung und Erfindungskraft.
Zu Ehren dieser Kühnheit lässt Amanda Markwick (Renaissance-Traversflöte) neu geschriebene Diminutionen über Casulanas Madrigalen erklingen – feine, funkelnde Linien, die an die Improvisationskunst des 16. Jahrhunderts erinnern und doch eine moderne, persönliche Handschrift tragen. Gemeinsam mit Laute, Theorbe und den fünf Stimmen entsteht ein Klangraum, der zwischen Geschichte und Neuerfindung schwebt.
Der musikalische Weg endet bei Claudio Monteverdi, wo die seconda pratica in voller Blüte steht. Hier wird der Text zur Bühne, die Dissonanz zum dramatischen Mittel und die Stimme zur unmittelbar erzählenden Kraft. Nach einem Jahrhundert der Entwicklung singt das Madrigal nun mit ungefilterter Leidenschaft, Direktheit und künstlerischem Wagemut.
Von Petrarcas verstreuten Schritten bis zur expressiven Deklamation des Frühbarock zeichnet Luci serene e chiare hundert Jahre Musik nach, in denen die Dichtung selbst das Feuer musikalischer Innovation entzündete.

